Exkursion Schloss Hartheim – Wahlpflichtfach GSPB 6abc und 7bc

„Die Narren werden geschlachtet.
die Welt wird weise.
Die Kranken werden geschlachtet,
die Welt wird gesund.“

Diese vier Zeilen aus dem Gedicht „Die Maßnahmen“ von Erich Fried sollen provozieren und wachrütteln, die Gesellschaft daran erinnern, dass radikale und brutale Mittel niemals Verbesserungen bringen. Sie sind (leider) Kennzeichen uralter Denkstrukturen, die in der Vergangenheit häufig den Umgang mit behinderten Menschen bestimmten.

So hat die Unterscheidung in lebenswertes und lebensunwertes Leben Tradition: Bereits in der Antike wurden missgebildete Kinder einfach umgebracht, später aus Scham weggesperrt. Behinderung wurde als ein Zeichen des eigenen Versagens oder Strafe für eigene Sünden gedeutet, Behinderte als Ballast oder nicht produktiver Teil der Gesellschaft bezeichnet (Stichwort Eugenik).

Das Naziregime setzte in dieser Entwicklung einen grausamen Höhepunkt: Etwa 100 000 ermordete, behinderte Menschen und wahrscheinlich bis zu 400 000 Zwangssterilisierte im damaligen Großdeutschen Reich verdeutlichen, was Menschen imstande waren anderen Menschen anzutun.

Hartheim, eine der sechs Tötungsanstalten im NS-Regime, ist heute ein Gedenk- und Lernort, der an diese Gräuel erinnern soll. Hier wurden im Rahmen der „Aktion T4“ ca. 18 000 Menschen mit Behinderung sowie 12 000 kranke oder nicht mehr arbeitsfähige KZ-Häftlinge bzw. auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter durch die „Sonderbehandlung 14f13“ ermordet.

Die Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtfaches GSPB aus den Klassen 6abc und 7bc, die am 4. April 2017 Hartheim besuchten, waren tief betroffen und viele Fragen zeigten ihr Interesse an diesem Kapitel der Geschichte, das lange Zeit unbeachtet geblieben war. Der Gang durch die Räume, von der Aufnahmestelle der Totgeweihten bis zum Krematorium zur Verbrennung der Leichen, wurde durch eine berührende Stille begleitet. Die Gedanken an die vergangenen Taten reichten, um zu verstehen, was hier passierte.

Mag. Christa Höglinger, Mag. Beatrice Freudenschuß, Mag. Thomas Resel