Zu Gast im Technorama, bei Google und CERN

Am 15. September ist die 8B-Klasse des Ostarrichi-Gymnasiums zu einer mehrtägigen Exkursion in die Schweiz aufgebrochen.

Am Programm standen neben dem Besuch des Science Centers Technorama in Winterthur ein Besuch in der Europazentrale von Google in Zürich und am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf.

Technorama Winterthur
Der erste Tag unserer Exkursion war dem Science Center Technorama in Winterthur gewidmet. Das Technorama versteht sich nicht als naturwissenschaftliches Museum, sondern bietet seinen Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, selbst Erfahrungen mit Naturphänomenen zu machen. Vielen Experimentierstationen ermöglichen es, alles selbst auszuprobieren und ins Staunen zu kommen.
Obwohl wir durch die lange Fahrt mit dem Nachtzug etwas mitgenommen waren, zu uns das Science Center sofort in einen Bann. Neben den Experimentierstationen waren es die Vorführungen, die unser Interesse weckten.
Bei der Vorführung über die Supraleitung wurden die merkwürdigen Effekte präsentiert, die supraleitende Materialien zeigen. Zum einen ist das der widerstandsfreie Stromfluss, der es erlaubt, starke Magnetfelder zu produzieren, zum anderen der sogenannte Meisner- Ochsenfeld-Effekt, der dazu führt, dass supraleitende Materialien diamagnetisch werden und daher über Magnetfeldern zu schweben beginnen.
Bei der Blitzshow gab es nicht nur Wissenwertes über elektrische Felder und starke Ströme zu lernen, eindrucksvoll wurden Blitze erzeugt und abgeleitet und auch demonstriert, wie man mit elektrischen Entladungen Melodien abspielen kann.
Beim Coriolis-Karrusell konnen sich die Schülerinnen und Schüler ein Bild davon machen, wie die Naturphänomene sich scheinbar ändern, wenn man in rotierenden Bezugssysteme unterwegs ist. Viele Erscheinungen, wie die Ablenkung von  Luftströmungen auf Grund der Erdrotation oder das berühmte Foucault’sche Pendel lassen sich so anschaulich erklären.
Eine gute Vorbereitung auf unseren Besuch am CERN war auch das Workshop am Nachmittag. Dieses drehte sich um das Thema „Radioaktivität“. Dabei konnten wir selber mit Geiger-Müller-Zähler die Hintergrundstrahlung, sowie leichte Erhöhungen derselben durch unterschiedliche Alltagsmaterialien messen. Weiters gab es die Möglichkeit, den Nachweis von Elementarteilchen aus der Höhenstrahlung in der Nebelkammer zu sehen.

https://www.technorama.ch/de/home

Google Zürich
Der Hauptsitz in Zürich ist für Google der grösste Entwicklungsstandort außerhalb der USA. An diesem Standord arbeiten „Zoogler“ (so die Bezeichnung für die Google-Mitarbeiter in Zürich) aus rund 75 Nationen. Ingenieure entwickeln hier Funktionen für Dienste wie Google Suche, Google Maps, sprachbasierte Suche auf mobilen Geräten, Gmail und YouTube. Zur Zeit arbeiten arbeiten ca. 4000 Personen bei Google Zürich.

Empfangen und betreut wurden wir von Dr. Elke Michlmayr, einer Informatikerin aus Oberösterreich, die uns einen interessanten Einblick in die Projekte von Google und im Speziellen in ihre Arbeit an Google Flights gab. Sie machte den Schülerinnen und Schülern sehr viel Mut, ihre Pläne und Ideen zu entwickeln und sich trotz Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen.

Nach einer Diskussuionsrunde bei der alle Fragen rund um Arbeit als Software-Engineer bei Google beantwortet wurden, startete die Office-Tour. Dabei konnten wir viel über Googles Firmenphilosophie lernen. Alle Räume sind nach einem bestimmten Motto gestaltet. So laden sie dazu ein, andere Zoogler zu treffen, sich auszutauschen oder in einer entspannten und kreativen Umgebung inspirieren zu lassen. Spannend ist, dass es bei Google keine offensichtliche und nur eine flache Hierarchie gibt. So kann es passieren, dass der Arbeitsplatz eines neu eingestellten Mitarbeiters neben einer leitenden Persönlichkeit von Google (mit Verantwortung für einige 100 Mitarbeiter) ist. Wir konnten uns selbst von den faszinierenden Räumlichkeiten und dem kreativ-entspannten Arbeitsklima überzeugen.

https://www.google.ch/intl/de/press/images.html

CERN Genf
Den Höhepunkt des Exkursionsprogramms bildete ein intensiver Besuchstag am europäischen Kernforschungszentrum CERN. Dort wurden wir von Dr. Werner Riegler, dem technischen Koordinator des ALICE-Experiments, empfangen. Dr. Riegler, ein Absolvent unserer Schule, hat uns den ganzen 18. September betreut und konnte uns viele Informationen geben, die wir bei einer Standardführung nicht bekommen hätten.

Begonnen hat der Tag mit einem spannenden Einführugsvortrag über die Aufgaben des CERN, die der Teilchenphysik im Allgemeinen und die vielen Entdeckungen, die sich dabei ergeben. Beispielsweise gehen viele medizinische Anwendungen, aber auch die Entwicklung des WWW auf Forschungen im CERN zurück.

Anschließend durften wir den ALICE-Detektor besuchen. Nach einer Fahrt über die Grenze nach Frankreich war es soweit: Es ging mit einem Aufzug 100m in die Tiefe und wir standen vor dem ALICE (A Large Ion Collider Experiment) -Detektor. Dieser ist wirklich gigantisch: 25 Meter lang, über 16 Meter Durchmesser und ein Gesamtgewicht von 10.000 Tonnen! Hier werden Materiezustände simuliert, wie sie knapp nach dem Urknall aufgetreten sind. Parallel dazu hat uns Dr. Michael Benedikt (CERN-Mitarbeiter und Prof. an der TU Wien) die Grundlagen der Beschleunigerphysik am LHC erklärt. Dabei erfuhren wir z.B., dass der LHC mit ca. 12.000 Ampere Strom versorgt wird und die supraleitenden Spulen für die Magnete auf 1,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt werden. Der LHC selbst, von dem ALICE ein Teil ist, ist ein 27km langer Beschleunigerring, bei dem die kleinsten Teile der Materie erforscht werden.

Nach dem Mittagessen im CERN-Restaurant ging es zum AMS, einer der vier Bodenstationen des internationalen Raumstation (ISS). Der Chefingenieur dieses Forschungsprojekts, Dr. Corrado Gargiulo persönlich, erläuterte uns die Ziele und die abenteuerlichen Vorarbeiten zu der Anlage, die schließlich mit dem Space-Shuttle Endeavor ins Weltall gebracht wurde, um dort die kosmische Strahlung zu messen.

Nach einem Besuch im Kontrollzentrum der Beschleuniger, fand der Tag im CERN Rechenzentrum seinen Abschluss. Nach einer theoretischen Einführung, die sich um die Speicherung und Auswertung der unglaublichen Datenmengen drehte, die bei Untersuchung der kleinsten Materiebausteine anfallen, konnten wir einen Blick in die Rechnerhalle werfen. Diese ist aber nur ein Teil des sogenannten CERN-Grids, das auf viele Universitätsinstitute weltweit verteilt ist. Allein die Stromversorgung vor Ort würde nicht ausreichen, alles hier zu betreiben.

https://home.cern/

Diese Exkursion war für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher eine Chance den persönlichen Horizont zu erweitern sowie ein unvergessliches Erlebnis. Zu dem trugen auch unsere Stadterkundungen in Zürich und Genf bei.

Dr. Josef Lechner

Technorama

Google

CERN

Genf